Erwin Aichele
Tiermaler (1887 - 1974)
Kriegszeichnungen (1915 - 1918)
Die Kriegszeichnungen des Malers Erwin Aichele stammen grösstenteils aus dem Jahr 1916 , als er mit seiner Abteilung 3. Batterie F.A .R. 185 wochenlang bei Liry in der Champagne stationniert war. Er war bei der Nachrichtenabteilung als Meldereiter eingesetzt. Er hatte das Glück, dass sein Vorgesetzter sein Zeichentalent sehr hoch einschätzte.Zeitweilig hatte Erwin eine ofiizielle Funktion als Kriegszeichner.
Juni 1916 zog die Truppe weiter nach Nordfrankreich. Er soll eine Wagenkolonne geleitet haben und hatte als Fernsprecher mit der Nachrichtenübermittlung zu tun. Die Zeichnungen sind meistens mit genauer Angabe von Zeit ,Ort und Bildgegenstand versehen. Als Ortsnamen erscheinen Achery bei St.Quentin, Doingt,Laon, Vraignes Soissons, etc.
Er zeichnete hauptsächlich mit Bleistift, gelegentlich mit Kohle oder Farbkreiden.
Stilistisch stand er mit seinen Zeichnungen ganz in der Tradition des 19. Jahrhunderts.
Die Themenpalette ist breit: Militärische Stellungen, Räume, in denen die Mannschaften untergebracht waren, Kameraden und Szenen aus ihrem Alltag, Pferde und Gespanne, Dorfansichten und Ruinen, Landschaften.
Alles ist mit grosser Detailtreue wiedergegeben, meisterhaft gezeichnet und sensibel empfun-den. Wenn man weiss, wieviel Schreckliches er gesehen hat, ist es erstaunlich, dass von all dem nichts in seinen Zeich-nungen erscheint , man spürt keine Emotionen, keinen Hass, keinen Nationalismus, keine Anklage. Er gibt das Sichtbare wieder. Vielleicht hat er einfach darauf ver-zichtet , Dinge darzustellen, wo Emotion ihm den distanten Blick des Malers unmöglich gemacht hätte.
Man weiss von einem Nervenzusammenbruch, Verschüttung und Verwundung anlässlich der schweren Schlachten in Nordfrankreich. Ab Mai 1918 gibt es in Frankreich keine Zeichnungen mehr von ihm.
Er hat offensichtlich im September wieder zu zeichnen begonnen, in Polzin in Pommern, wohin man den im Koma liegenden gebracht hatte.

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